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Jiu-Jitsu

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1. Die Geschichte der Kampfkünste

sign jiuWann genau die ersten Kampfsysteme entwickelt und unterrichtet wurden ist nicht bekannt. Die ältesten Beweise datieren um 1500 v. Chr. aus dem alten Ägypten und Griechenland. Alte Fresken, Mosaike und Malereien dokumentieren Kampfszenen aller Art. Auch in China und Indien entwickelten sich bereits sehr früh spezielle Kampftechniken. Die ältesten Belege von Kampfsystemen wurden in den verschiedensten Ländern gefunden und sind fast gleich alt. Dies lässt darauf schließen, dass sich die vielen verschiedenen Künste vollkommen unabhängig voneinander entwickelt haben.

In Ägypten wurden Malereien von Faustkämpfern gefunden, die bis auf das Jahr 2000 v. Chr. datiert werden. Welchen Sinn diese Kämpfe genau hatten und warum sie ausgetragen wurden, welche Techniken und welches Regelsystem existierte, ist jedoch unbekannt.

Im antiken Griechenland wurden Kampftechniken im Rahmen der olympischen Spiele als Sport ausgeübt. Es gab verschiedene Arten des Ringens und des Faustkampfes. Die bekannteste unter ihnen wird heute als Pankration bezeichnet, eine sehr harte Kampfmethode, die nicht selten den Tod des Unterlegenen bedeutete.

Eine genaue Analyse der Entstehung der einzelnen Kampfsysteme in Asien würde den Rahmen jeder Doktorarbeit sprengen, deshalb beschränke ich mich hier auf die wichtigsten Ereignisse und Fakten. Der Ursprung liegt wie in Europa tief in der Antike, wovon vereinzelte Malereien zeugen.

Legendär wurde im 6. Jahrhundert der indische Mönch Bodhidharma, der im chinesischen Tempel Shaolin den dortigen Mönchen bestimmte Übungen zeigte, zunächst nur zu Zwecken der Körperertüchtigung. Daraus entwickelte sich später die Kampfkunst des Shaolin-Tempelboxens, das auch mit einigen Waffensystemen verbunden wurde. Aus den verschiedenen Verzweigungen dieser Technik entstanden im Laufe der Jahrhunderte viele Systeme, die sich zum Teil sehr voneinander unterschieden. Die einen bevorzugten Beintechniken und Sprünge, die anderen setzten mehr auf Würfe und Griffe. Manche waren reine Kampftechniken, die auf Kriege vorbereiten sollten, bei wieder anderen war der geistige und philosophische Weg sehr stark mit dem Technischen verbunden. Auch die Religion, vor allem der Buddhismus, beeinflusste die Kampfsysteme erheblich.

Wie in Europa verloren die Kampfkünste mit der Einführung von Feuerwaffen um 1600 erheblich an Bedeutung, sie verschwanden vom Schlachtfeld und lebten in friedlichen Systemen weiter. Der philosophische Aspekt erfuhr eine Wiederbelebung, und geistige wie technische Elemente verbanden sich zu einem Weg (jap.: Do).

Durch die unzähligen Kriege in Asien gerieten die vielen verschiedenen Systeme fast in Vergessenheit. Die jeweiligen Eroberer verboten den Unterlegenen, ihre Künste weiter auszuüben. Viele überzeugte Meister begingen Selbstmord oder schworen ihrer Technik für immer ab. Einige wenige jedoch übten heimlich weiter und vererbten ihre Systeme an ihre Nachkommen weiter. Durch die Nachforschungen verschiedener Wissenschaftler und Historiker konnten die Kampfkünste im späten 19. Jahrhundert schließlich wiederbelebt werden.

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2. Jiu–Jitsu

Jiu-Jitsu, im Wortlaut „Dschiu-Dschitsu“ ausgesprochen, war ursprünglich die waffenlose Selbstverteidigung der Samurai, der alten japanischen Ritter. Man nimmt an, dass chinesische Mönche und Händler das sog. „Kempo“ nach Japan brachten und sich daraus in Vermischung mit mehreren japanischen Stilen das heutige Jiu-Jitsu entwickelt hat.

Mit dem zunehmenden technischen Fortschritt geriet das Jiu-Jitsu allerdings in Vergessenheit. Schusswaffen ersetzten Pfeil und Bogen und viele Waffen aus dem Nahkampf. Nur in den Familien der Samurai wurde die „sanfte Kunst“(jap.) noch von Vater zu Sohn vererbt.

Einige Wenige stellten allerdings Nachforschungen an, unter ihnen der deutsche Mediziner und Anthropologe Erwin Baelz, der um ca. 1880 als Professor an der kaiserlichen Universität von Tokyo tätig war. Er stellte fest ,dass viele seiner Studenten aufgrund von Bewegungsmangel krank wurden. Sport als Unterricht kannte man nicht. Eines Tages beobachtet Baelz zufällig einen Jiu-Jitsu Meister, der gerade mit seinem Sohn übte. Nach langen Verhandlungen willigte der Meister ein und unterrichtete ihn. Baelz führte wenig später Jiu-Jitsu als Sportfach an der Universität ein. Damit war ein entscheidender Schritt gemacht um das Jiu-Jitsu wiederzubeleben. Viele Kampfsportarten wie Aikido oder Judo entstanden direkt oder indirekt aus dem Jiu–Jitsu.

Der Wegbereiter des Jiu-Jitsu in Deutschland war Erich Rahn. Rahns Vater war von Beruf Exportkaufmann und pflegte unter anderem gute Kontakte zu japanischen Botschaftern und Diplomaten. Wenn nun der japanische Botschafter mit seiner Familie zu Besuch nach Deutschland kam, gingen die Kinder nach dem Essen oft Spielen. In diesen Spielen kam es zu harmlosen Raufereien, wie sie bei Kindern üblich sind. Und Erich Rahn, damals zehn Jahre alt, wurde von den japanischen Kindern geradezu spielerisch besiegt, obwohl er ihnen körperlich weit überlegen war.

20090522 0259Dank der guten Kontakte seines Vaters war es Erich Rahn im Alter von ca. 20 Jahren möglich, nach Japan zu reisen und dort mehrere Jahre lang Jiu-Jitsu zu lernen. 1906 kehrte er nach Deutschland zurück und gründete in Berlin in einem Nebenraum eines Lokals die erste deutsche Jiu-Jitsu Schule. Rahn musste jedoch feststellen, das einige Techniken zwar bei den kleinen Japanern prächtig klappten, bei den größeren Europäern allerdings nicht. Also musste er das Jiu-Jitsu "vereuropäisieren", d.h. er musste neue Techniken entwickeln, die immer funktionierten, auch bei Gegnern, die viel größer und schwerer waren. 1910 wurde Rahn beauftragt Jiu-Jitsu bei der Kriminalpolizei zu unterrichten, ab 1920 gab er in ganz Deutschland Demonstrationen. Er machte die Kampfkunst zu seinem Beruf, kämpfte gegen Herausforderer anderer Kampfsportarten wie Boxer oder Ringer (wobei er übrigens jeden einzelnen Kampf gewann) und gab Unterricht.